Beziehungsdrama, Baby! Fünf emotionale Duelle zwischen dem Club und Schalke – 1. FC Nürnberg

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Keine Geschenke auf dem Rasen

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Uli Digmayer

Uli Digmayer

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Sportredaktion

13.5.2022, 12:02 Uhr

Im Tal der Tränen: Nürnbergs Javier Pinola wird nach dem Abstieg 2008 vom Schalker Rafinha getröstet.

© Wolfgang Zink, NNZ
Im Tal der Tränen: Nürnbergs Javier Pinola wird nach dem Abstieg 2008 vom Schalker Rafinha getröstet.


Auch wenn den 1. FC Nürnberg und den FC Schalke 04 seit rund vier Jahrzehnten eine deutschlandweit einzigartige Fan-Kumpelei verbindet, blieben auf dem Rasen Freundschaftsdienste zwischen den beiden Altmeistern eher aus – und Leidtragender war meistens der Club. Wir blicken zurück auf fünf besonders emotionale Duelle der jüngeren Vergangenheit.

17.5.2008, 34. Bundesliga-Spieltag: FCN – Schalke 0:2

Javier Pinola, Andreas Wolf und Jacques Abardonado können ihre Tränen nicht zurückhalten, andere kauern konsterniert auf dem Rasen. Der 1. FC Nürnberg ist – Rekord! – zum siebten Mal in seiner Historie aus der Bundesliga abgestiegen, diesmal als amtierender Pokalsieger. Es wäre zu verhindern gewesen. Da Bielefeld in Stuttgart nicht über ein 2:2 hinauskommt, hätte sich Thomas von Heesens Team mit einem Heimsieg gegen Schalke retten können. Doch es vergibt zu Beginn klare Chancen und verfällt nach dem 0:1 durch Marcelo Bordon (20.) in einen Schockzustand. Der Kapitän der effizienten Gäste sorgt mit dem 0:2 für den endgültigen K.o. (61.). In der Nordkurve schwenken sie weiße Taschentücher, feiern Ex-Trainer Hans Meyer oder skandieren demonstrativ: “Wir sind der Club!” Wenig später steht Sportdirektor Martin Bader mit einem Megafon am Stadiontor und versucht die tobenden Fans zu besänftigen. “Wir haben in dieser Saison alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Mit dieser Mannschaft darf man nicht absteigen”, ruft Bader. Kein Widerspruch.

25.1.2011, DFB-Pokal, Viertelfinale: Schalke – FCN 3:2 n.V.

Die meisten Zuschauer stimmen sich gedanklich schon auf ein nervenstrapazierendes Elfmeterroulette ein, als ein 17-jähriger Gymnasiast die Arena auf Schalke förmlich explodieren lässt – und den Club aus allen Träumen reißt. In der 119. Minute zieht der kurz zuvor eingewechselte Julian Draxler einfach mal ab und trifft aus 22 Metern fulminant zum 3:2. Wenig später steht Schalke im Halbfinale des DFB-Pokals, während ein couragierter Club, angetrieben vom überragenden Mehmet Ekici, frustriert die späte Heimreise antritt. Zwei Tore von Julian Schieber (4., 32.) sollen nicht reichen, weil Mario Gavranovic (14.) und Ivan Rakitic (58.) jeweils ausgleichen und in der Verlängerung Top-Talent Draxler zum jugendlichen Helden wird. “Wenn man so ausscheidet, ist das natürlich bitter. Wir hätten es packen können. Das Elfmeterschießen hätten wir gerne mitgenommen”, hadert Trainer Dieter Hecking mit dem Last-Minute-K.o.

Schalke und der FCN: Sportlich-freundschaftliche Impressionen

11.4.2012, 30. Bundesliga-Spieltag: FCN – Schalke 4:1

Daniel Didavi beweist, dass er wohl nicht zufällig den Namen eines biblischen Propheten trägt. “Schon beim Aufwärmen haben wir gemerkt, dass wir heute ein richtig geiles Spiel machen”, verrät Nürnbergs Torjäger nach einem spektakulären Fußballabend, an dem der Tabellenzwölfte den Tabellendritten in phasenweise rauschhafter Manier entzaubert. Hanno Balitsch bringt den Club im 50. Bundesliga-Duell der Altmeister nach holprigem Beginn auf Kurs (26.), Timmy Simons per Foulelfmeter (37.) und Didavi per Doppelpack (45., 87.) legen nach. Ein Patzer von Torhüter Raphael Schäfer, den Lewis Holtby

mit einem sehenswerten Heber bestraft (85.), bleibt nur ein kleiner Schönheitsfehler. Auf der Ehrenrunde spendieren auch die rund 4000 Fans aus Gelsenkirchen den Club-Profis anerkennend Beifall. Für Heckings Mannschaft wird der Heimsieg ein Meilenstein auf dem Weg zum Klassenerhalt, aber auch Schalke qualifiziert sich am Ende für die Champions League – und alle sind zufrieden.

10.5.2014, 34. Bundesliga-Spieltag: Schalke – FCN 4:1

Der nette Roger Prinzen gibt sich noch einmal kämpferisch. “Erklärt mich für verrückt, aber ich glaube dran”, verkündet Nürnbergs Interimscoach, der knapp drei Wochen vorher den glücklosen Gertjan Verbeek abgelöst hat, um noch zu retten, was wohl nicht mehr zu retten ist. Zwar könnte der Club mit einem Auswärtssieg bei den von Jens Keller betreuten Schalkern und gleichzeitiger Mainzer Schützenhilfe gegen den HSV noch auf den Relegationsplatz klettern, doch die Vorzeichen stehen schlecht: Mit Javier Pinola, Marvin Plattenhardt und Timothy Chandler sind gleich drei Abwehrspieler gesperrt, zudem muss Kapitän Schäfer passen. Der Mannschaft ist die Nervosität anzumerken. Nach sechs Minuten trifft Joel Matip zum 1:0, mit dem 2:0 durch Roman Neustädter kurz vor der Pause ist eigentlich schon alles vorbei. Julian Draxler (76.) und Chinedu Obasi (90.) machen das finale Debakel perfekt, das zwischenzeitliche 1:3 durch Josip Drmic (90.) ist nur Ergebniskosmetik. Nach 90 mutlosen Minuten ist Nürnberg einmal mehr in Liga zwei angekommen, die Schalker Fans leisten umgehend moralische Aufbauhilfe: “Der FCN steigt wieder auf!” schallt es tröstend von den Rängen. Stimmt. Allerdings erst in vier Jahren.

Folge 138: Eigentlich ist alles wurscht

1. FC Nürnberg

Dauer: 01:12:43

Folge 138: Eigentlich ist alles wurscht

Dauer: 01:12:43

Folge 138: Eigentlich ist alles wurscht

12.5.2019, 29. Bundesliga-Spieltag: FCN – Schalke 1:1

Hanno Behrens, prinzipiell ja eher ein gechillter Typ, ist kaum zu beruhigen. “Schon ein bisschen wie Verarsche” fühle sich das an, wettert der Club-Kapitän vor laufender TV-Kamera. Sein Ärger ist verständlich: Als Behrens in der 43. Minute geistesgegenwärtig in einen zu kurzen Rückpass spritzt und den Ball an Keeper Alexander Nübel zum vermeintlichen 1:0 ins Tor spitzelt, pfeift Schiedsrichter Robert Kampka die korrekte Aktion aus unerfindlichen Gründen ab – der Kölner Keller kann deshalb auch nicht mehr korrigierend eingreifen. Dass Behrens in dieser brisanten Partie wenig später auch noch einen Elfmeter verschießt (45.+2) und Matija Nastasic die späte Nürnberger Führung durch den Japaner Kubo (82.) fast postwendend ausgleicht (85.), passt zu diesem Tag und dieser Saison, an deren Ende der Club wieder einmal abgestiegen sein wird. Mit Schalkes Segen.

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